Anfängerfehler von Skipper
Kroatien ist grundsätzlich ein gutmütiges Revier. Kurze Schläge, gut ausgebaute Marinas, im Sommer meist ein verlässlicher thermischer Wind und selten mehr als zwei Stunden bis zum nächsten geschützten Ankerplatz. Genau das macht die Adria aber auch zur Falle für frischgebackene Skipper: Wer glaubt, das Revier verzeihe alles, wird spätestens beim ersten Bura-Einbruch oder beim ersten vollen Bojenfeld eines Besseren belehrt.
Die meisten Fehler, die ich Jahr für Jahr sehe, sind übrigens keine seemännischen. Kaum jemand scheitert an Dingen, die er beim Kurs für das Küstenpatent gelernt haben sollte. Es scheitert an der Vorbereitung, an der Organisation und daran, dass der Skipper glaubt, er müsse alles allein machen. Da mangelt es meist nicht an Wissen, sondern an gesundem Hausverstand was dann oft zu groben Nachlässigkeiten führt! Das beginnt bei der Crew und deren Einweisung, geht über Fehleinschätzungen und endet nicht nur bei der Ignoranz der Wetterbedingungen.
Hier die Klassiker – und was man dagegen tut:
1.) Schlechte Auswahl der Crew:
Der häufigste Fehler passiert Monate vor dem Ablegen, nämlich am Stammtisch. Man lädt ein, wer nett ist. Sechs Kojen, sechs gute Freunde, fertig. An Bord stellt sich dann heraus: Einer wird schon im Hafenbecken grün, das Paar ist mitten in einer Beziehungskrise, einer wollte eigentlich Party in Hvar und der andere täglich zwölf Stunden segeln. Und einer kann nicht schwimmen, sagt es aber erst am dritten Tag.
MERKE: Führe vor dem Törn ein ehrliches Vorgespräch – am besten mit allen gemeinsam. Kläre die Erwartungen (Segeln oder Baden? Marina oder Ankerbucht? Restaurant oder Bordküche?), frage nach Seekrankheit, Schwimmfähigkeit, Medikamenten, Vorerkrankungen und Beweglichkeit. Lege das Budget und die Bordkasse vorher fest, das erspart am Ende der Woche viel Ärger. Und merke Dir einen Satz: Lieber eine Koje leer als eine falsch besetzt.
2.) Zu sehr auf die Crew hören:
Das ist natürlich kein grundsätzlicher Ratschlag, aber er gilt auf jeden Fall für alle Dinge, die Du aus Gründen der Sicherheit an Bord machen möchtest. Sollte Dir z.B. das Wort „Schwimmwesten“ in den Sinn kommen, ist es erfahrungsgemäß auch tatsächlich Zeit für die Anordnung, dass alle Crewmitglieder ihre Westen anlegen müssen. Da gibt es nicht selten „Helden“ in der Crew, die meinen, dass diese Maßnahme doch noch lange nicht erforderlich sei – hast Du so jemanden an Bord und widersetzt sich Deiner Anordnung, ist es Zeit, die Person beim nächsten Hafen von Bord gehen zu lassen! Denn bedenke – DU bist für Schiff und Crew zu 100% verantwortlich und sonst niemand!
MERKE: Du hast die volle Verantwortung und darfst Dir von der Crew nichts dreinreden lassen, wenn Du Vorsichtsmaßnahmen verfügst! Du sollst an Bord nicht den Chef raushängen lassen, sei einfach nur souverän, denn das schafft auch Vertrauen bei der Crew!
3.) Fehlende oder schlechte Einweisung der Crew:
Wie schon eingangs erwähnt, ist es wichtig, dass jedes Crewmitglied seine Aufgaben kennt und diese auch erfüllen kann. Dazu gehören aber auch Notfallszenarien und die zugehörigen Abläufe, die die Crew auch ohne Skipper durchführen können muß! Denn auch als Skipper/in kann man durchaus ausfallen und dann keine Maßnahmen mehr ergreifen. Ein sehr wichtiger Punkt ist dabei, dass mindestens noch ein Crewmitglied (neben dem Skipper) die Bedienung des Geräts sowie Abläufe am UKW-Funk kennt und damit um Hilfe rufen kann. (das kann übrigens auch ein Crewmitglied mit „2 linken Händen“ für die Manöver, jedoch als zuständig für den „Notfunk“, fühlt es sich als wichtiger Teil der Crew!)
Gehe mit Deiner Crew vor jedem Auslaufen auch immer gemeinsam die Checkliste durch, denn es sollten alle an Bord wissen, was wichtig ist! Weiters sollte die Crew auch über die Ausrüstungsteile Bescheid wissen.
Aber auch normale Manöver müssen immer im Vorfeld besprochen werden – ein typisches Beispiel ist das Einlaufen und Anlegen in einer Marina. Wissen nicht alle Bescheid, wie das Manöver ablaufen und jeder machen soll, kommt es meist zu Chaos, insbesondere dann, wenn man als Skipper/in erst ganz kurz vor Einfahrt in die Box (den Liegeplatz der Yacht) laut herumzuschreien beginnt und sich entweder alle, oder niemand angesprochen fühlt - wer schreit, hat die Kontrolle schon verloren!
MERKE: Weihe Deine Crew immer in Deine Pläne für die kommenden Manöver ein und vergib entsprechende Aufgaben. Lasse zumindest ein Crewmitglied einen UKW-Funkkurs absolvieren – dieser ist schnell online gemacht und man muß auch keine Prüfung absolvieren, um im Notfall funken zu können!
4.) Meilenfressen:
Ein Fehler, den viele NEO-Skipper/innen begehen ist, dass sie gleich am Anfang möglichst viel sehen und erleben möchten. Dass dies aber in Stress ausarten kann, wird dabei jedoch oft nicht bedacht. Ein Törn soll in der Regel ja ein Urlaub sein und somit auch einen Erholungswert haben. Tagestouren mit 50 Seemeilen oder gar noch mehr, haben mit Erholung nur sehr wenig zu tun – man kann zwar den Tag über das Meer und seine Schönheit genießen und natürlich auch die Landschaft, an der man vorbeifährt.
Bei der Ankunft am vorgenommenen Ziel ist man dann halt oft ziemlich geschlaucht (Sonne und Wind sind sehr gute „Müde-Macher“) und hat dann nur noch wenig Lust, sich am Zielort umzusehen und alles zu genießen.
MERKE: Weniger ist oft mehr und man möchte es oft nicht glauben – es gibt meist im nahen Umkreis der Ausgangsbasis etliche Sehenswürdigkeiten, die man sich nicht entgehen lassen sollte. 20 bis 25 Seemeilen pro Tag sind (unter Segel) in Kroatien ein gutes, entspanntes Maß und man sollte niemals mit der Höchstgeschwindigkeit rechnen, die im Prospekt des Boots steht.
5.) Zu weite Routen:
Wie schon im Punkt 4 erwähnt, sind lange Strecken nicht unbedingt ein Mehrwert eines Törns. Nimmt man sich als Skipper/in dann auch noch insgesamt sehr lange Routen vor und zieht sie durch, kann es letztlich zu einem gröberen Problem kommen, um rechtzeitig zur Ausgangsbasis zurückzukehren!
Denn muß man aufgrund der Route am letzten Törntag vielleicht nochmals 50 Seemeilen oder mehr zurücklegen und hat sich das Wetter mittlerweile als sehr ungünstig ergeben, kann dieser letzte Tag buchstäblich zur Qual werden. Die Folge ist nicht nur Stress, sondern oft auch grobe Unstimmigkeiten mit der Crew.
MERKE: Plane für den letzten Tag max. 10-15 Seemeilen bis zur Ausgangsbasis ein, denn das ist eine Strecke, die man auch bei eher widrigen Wetterbedingungen meist recht mühelos schaffen kann! Und nach einem Törn sind meist alle recht müde, daher eignet sich der letzte Tag perfekt zu relaxen, bevor man die Heimreise antritt.
6.) Keine Törnplanung:
Sicher, es hat irgendwo seinen Reiz, wenn man ohne Ziel einfach ins Blaue fährt, aber das birgt auch einige Gefahren. Kommt man z.B. spätabends in eine Bucht zum Übernachten und muß dann feststellen, dass da kein Platz mehr vorhanden ist, muß man sich eine Alternative suchen. Aber nicht selten haben überfüllte Buchten auch einen Grund und dieser liegt oft im Seewetterbericht begründet. Denn liegt eine Bucht gut geschützt, wollen freilich alle da hin, um eine ruhige Nacht genießen zu können. Ist man selbst zu spät dran, muß man oft bei Dunkelheit mit einer Bucht mit unzureichendem Schutz vorliebnehmen, die dann vielleicht auch noch Ankerwachen erfordert.
MERKE: Plane Deine Fahrten stets so, dass es immer einen „Plan B“ gibt und Du gewappnet für Überraschungen bist! Für die Törnplanung in Kroatien gibt es kaum einen besseren Revierführer als die 888 Häfen & Buchten von Karl-Heinz Beständig! Sehr hilfreich ist dabei auch unser Croatia Marina Guide.
7.) Ignorieren des Wetterberichts:
Viele unterschätzen schlicht und einfach die Naturgewalten, die auch in der kroatischen Adria auftreten können. Es muß nicht gleich eine gefährliche Nevera (Neverin) sein, auch ein Jugo (Schirokko) oder eine Bora kann sehr heftig ausfallen! Spätestens seit uns der Klimawandel seine schreckliche Fratze zeigt, kann es selbst in bislang als gutmütig empfundenen Revieren wie die Adria sehr gefährlich werden.
MERKE: Es ist daher absolut unerlässlich, dass man sich vor jedem Fahrtantritt von einem sicheren Hafen oder einer geschützten Bucht über das zu erwartende Wetter informiert. Und das nicht nur am Ort des Starts, sondern natürlich ebenso am vorgenommenen Ziel! Wenn man keinen Wetterbericht verfügbar hat, können auch die sicht- und spürbaren Merkmale gute Hinweise auf das kommende Wetter geben – man sollte sich daher mit den Winden an der Adria sowie mit der Deutung der Wolkenbilder am Himmel auseinandersetzen.
8.) Nachlässig geankert:
Zwei Meter Kette pro Meter Wassertiefe, kein Eindampfen, keine Peilung, kein Ankeralarm – und dann geht die Crew essen. In der Nacht dreht der Wind, und die Yacht wandert.
MERKE: Vier- bis fünffache Kettenlänge zur Wassertiefe, bei angekündigtem Starkwind mehr. Nach dem Fallen mit Rückwärtsgang eindampfen und kontrollieren, ob der Anker wirklich hält. Landpeilungen nehmen oder den Ankeralarm im Plotter setzen. Sandflächen suchen, Seegraswiesen meiden – dort hält der Anker schlecht, und die Posidonia-Bestände sind geschützt (Ankerverbot!). Schwojkreis der Nachbarn unbedingt beachten, damit es zu keinen Kollisionen mit anderen Booten kommt! Achte bitte auch auf die Regeln für Fahrten in Ufernähe sowie die Bestimmungen für das Ankern!
Kurz noch ein paar Kleinigkeiten mit großer Wirkung:
Alkohol gehört an Bord erst ans Ende des Tages, nach dem Festmachen – nicht während der Fahrt. Nachtfahrten sind in einem Revier mit unbeleuchteten Fischerbojen, Netzen und dunklen Inselketten nichts für die erste eigene Woche. Und der Skipper braucht selbst genügend Schlaf; ein übermüdeter Skipper trifft schlechtere Entscheidungen als eine unerfahrene Crew.
Bevor man erstmals eigenverantwortlich in See sticht, sollte man unbedingt ein Skippertraining absolvieren! Und absolut empfehlenswert ist, wenn man eine spezielle Skipper-Haftpflichtversicherung sowie bei Charter, eine Kautionsversicherung abschließt.
Wenn Du diese Punkte durchgehst, wirst Du merken: Fast alles davon lässt sich am Küchentisch erledigen, Wochen vor dem Törn. Eine gute Planung zu Hause, erspart Stunden an Stress während des Törns und lässt diesen letztlich zu einem unvergesslich schönen Erlebnis werden.
