Deviationstabelle erstellen

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Deviation - Ablenkung des Kompasses Wie man eine Deviationstabelle für seine Yacht erstellt:

Deviationstabelle – Erklärung & Simulator

Deviationstabelle verstehen, erstellen & anwenden

Kompasskunde für Yachten an der Adria – mit Simulator, Kursrechner und PDF-Download

⚠ Wichtiger Hinweis: Diese Anwendung dient ausschließlich Ausbildungs- und Übungszwecken. Für die Richtigkeit der eingegebenen und berechneten Werte wird keine Haftung übernommen. Eine hier erstellte Tabelle ersetzt keine Kompasskontrolle durch einen Fachbetrieb. Die Kompensation (Justierung) eines Magnetkompasses gehört ausschließlich in die Hände von Fachleuten (Kompassjustierern). Für die Navigation an Bord sind stets aktuelle amtliche Seekarten, geprüfte Instrumente und gute Seemannschaft maßgeblich.

Warum zeigt der Kompass „falsch“?

Der Magnetkompass ist auf jeder Yacht das wichtigste Ersatz- und Kontrollinstrument – er funktioniert ohne Strom, ohne Satelliten und ohne Software. Er zeigt aber nicht nach rechtweisend Nord (geografischer Nordpol), sondern richtet sich nach dem Magnetfeld, das an seinem Einbauort tatsächlich wirkt. Dieses Feld wird gleich zweimal „verbogen“:

Missweisung (Mw)

Der magnetische Nordpol liegt nicht am geografischen Nordpol. Der Winkel zwischen rechtweisend Nord und magnetisch Nord heißt Missweisung (auch Variation oder Deklination). Sie ist ortsabhängig und ändert sich langsam mit den Jahren.

Sie steht in jeder Seekarte in der Kompassrose, z. B.: „4°10′ E 2020 (7′ E)“ – also 4°10′ Ost im Jahr 2020, jährlich 7′ mehr. Für 2026 ergibt das: 4°10′ + 6 × 7′ = 4°52′ ≈ +4,9°.

In der Adria liegt die Missweisung derzeit – je nach Revier und Kartenstand – etwa bei +3° bis +5° Ost. Maßgeblich ist immer die Angabe in Ihrer aktuellen Seekarte, beschickt auf das laufende Jahr.

Deviation / Ablenkung (Abl)

Zusätzlich stört das Schiff selbst: Motor, Kiel, Anker, Elektronik, Lautsprecher, Kabel und Werkzeug erzeugen ein eigenes Magnetfeld. Der Winkel, um den der Kompass dadurch zusätzlich abgelenkt wird, heißt Deviation (deutsch: Ablenkung).

Das Entscheidende: Die Deviation ist vom anliegenden Kurs abhängig, weil sich das Schiff – und damit sein Störfeld – unter der Kompassrose mitdreht. Auf 090° kann sie +3° betragen, auf 270° aber −3°. Deshalb braucht jeder Kompass seine eigene Deviationstabelle, die die Ablenkung für viele Steuerkurse auflistet.

Die drei Nordrichtungen im Bild

rwN mwN MgN Mw Abl (Winkel zur Verdeutlichung stark vergrößert – Beispiel mit Mw und Abl jeweils östlich = +)
KürzelBegriffBedeutung
rwKrechtweisender KursKurs in der Seekarte, bezogen auf geografisch (rechtweisend) Nord.
mwKmissweisender KursKurs bezogen auf magnetisch Nord: rwK um die Missweisung korrigiert.
MgKMagnetkompasskursDer Kurs, den Ihr Steuerkompass tatsächlich anzeigt („den steuern Sie“).
MwMissweisung (Variation)Winkel rwN → mwN. Aus der Kompassrose der Seekarte, auf das Jahr beschickt.
AblAblenkung (Deviation)Winkel mwN → MgN durch den Schiffsmagnetismus. Aus der Deviationstabelle, abhängig vom Kurs.

Das Rechenschema (Kursbeschickung)

Vorzeichenregel: östliche Werte sind positiv (+), westliche negativ (−). Vom Kompass zur Karte werden Abl und Mw mit ihrem Vorzeichen addiert, von der Karte zum Kompass mit ihrem Vorzeichen subtrahiert:

rwK Seekarte („rechtweisend“)
▼ − Mw+ Mw ▲
mwK missweisender Kurs
▼ − Abl+ Abl ▲
MgK Steuerkompass („das steuern Sie“)
Karte → KompassKompass → Karte
Beispiel Adria: Kartenkurs rwK = 090°, Missweisung Mw = +4° (E), Ablenkung laut Tabelle Abl = −2° (W).
Karte → Kompass: 090° − (+4°) = 086° (mwK); 086° − (−2°) = 088° = MgK.
Probe Kompass → Karte: 088° + (−2°) = 086°; 086° + (+4°) = 090° ✓

Merkhilfe: „Vom Kompass zur Karte stimmt das Vorzeichen – von der Karte zum Kompass dreht es sich um.“ Mw + Abl zusammen nennt man auch Fehlweisung (Fw).

Deviationstabelle selbst erstellen – Schritt für Schritt

Das an Bord einer Yacht praktikabelste Verfahren ist das Deckpeilungsverfahren: Zwei feste, in der Seekarte verzeichnete Objekte (z. B. eine Richtfeuerlinie einer Hafeneinfahrt, ein Kirchturm genau über einem Leuchtturm, zwei Molenköpfe) stehen von einer bestimmten Linie aus gesehen exakt in Deckung. Die rechtweisende Richtung dieser Linie (rwP) lässt sich präzise aus der Karte abgreifen – und eine Deckpeilung ist unabhängig von Strom und Versetzung immer richtig.

  1. Deckline wählen und ihren rechtweisenden Wert rwP aus der Seekarte entnehmen.
  2. Missweisung Mw aus der Kompassrose ablesen und auf das laufende Jahr beschicken.
  3. Bei ruhigem Wetter unter Maschine nacheinander die 12 Steuerkurse (000°, 030°, … 330°) anliegen lassen. Jeden Kurs mindestens ½–1 Minute ruhig halten, damit sich die Kompassrose beruhigt.
  4. Beim Passieren der Deckline die Kompasspeilung MgP der Linie notieren – gepeilt mit dem Steuerkompass bzw. einer Peileinrichtung am Ort des Steuerkompasses.
  5. Werte unten eintragen. Die App rechnet je Kurs: Abl = mwP − MgP (mit mwP = rwP − Mw).
  6. Kurve prüfen: Eine gesunde Deviationskurve verläuft glatt und annähernd sinusförmig. Ausreißer deuten auf Peil- oder Ablesefehler hin – diesen Kurs noch einmal fahren.
Voraussetzungen für brauchbare Werte: ruhige See · Bordelektrik im normalen Fahrzustand (eingeschaltete Instrumente, Wischer & Co. verändern die Deviation!) · keine magnetischen Gegenstände in Kompassnähe (Handy, Lautsprecher, Werkzeug, Konservendosen, Messer) · Schiff aufrecht (unter Segeln kann zusätzlich ein Krängungsfehler auftreten). Die Tabelle gilt nur für diesen Kompass an diesem Einbauort.

Alternativen: Vergleich mit einem kompensierten Referenzkompass oder Sonnenazimut-Verfahren. Der beliebte „GPS-Vergleich“ ist nur eingeschränkt tauglich: GPS liefert Kurs über Grund (COG) – bei Strom, Wind und Abdrift ist das nicht der gesteuerte Kurs!

Simulator: Messwerte eintragen

Steuerkurs
MgK
Kompasspeilung
MgP (°)
Ablenkung
Abl
ergibt
mwK

Noch keine Werte erfasst.

Das PDF wird vollständig lokal in Ihrem Browser erzeugt – es werden keine Daten übertragen. Es enthält Tabelle, Deviationskurve und den Haftungsausschluss. Angaben ohne Gewähr – Werte vor Gebrauch an Bord plausibilisieren und regelmäßig überprüfen.

Die Tabelle richtig verwenden: Kursumwandlung

In der Praxis läuft es fast immer so: Sie setzen in der Seekarte einen Kurs ab (rwK) und wollen wissen, welchen Kurs Sie am Steuerkompass tatsächlich steuern müssen (MgK) – oder umgekehrt: Sie haben einen Kompasskurs gesteuert und wollen ihn in die Karte übertragen. Der Rechner unten verwendet dafür die Tabelle aus Schritt 2 und interpoliert zwischen den Stützwerten (Zwischenkurse werden linear gemittelt).

So geht man mit der gedruckten Tabelle um: Von der Karte kommend steigt man über die Spalte mwK in die Tabelle ein und liest den zugehörigen MgK ab; vom Kompass kommend über die Spalte MgK. Zwischen zwei Zeilen wird nach Augenmaß interpoliert. Gesteuert wird auf ganze Grad – genauer kann ein Rudergänger ohnehin nicht steuern.

Karte → Kompass (Was muss ich steuern?)

Kompass → Karte (Was habe ich wirklich gesteuert?)

Gute Praxis an Bord

  • Deviationstabelle laminiert am Kartentisch und als Kopie beim Steuerstand aufbewahren.
  • Tabelle mindestens jährlich überprüfen – außerdem nach Werftaufenthalt, neuer Elektronik/Elektrik, Blitzschlag oder wenn plötzlich unplausible Kurse auffallen.
  • Kursvergleich als Routine: Steuerkompass ↔ (kompensierter) Peilkompass ↔ Kartenkurs. Abweichungen ernst nehmen.
  • Bleiben die Ablenkungen klein (wenige Grad), genügt die Tabelle. Werden sie groß oder unruhig: Fachbetrieb beauftragen (siehe Tab 4).

Kompensation des Kompasses

Ziel der Kompensation (Justierung) ist es, den schiffseigenen Magnetismus am Kompassort so weit auszugleichen, dass nur eine kleine, gutmütige Restdeviation übrig bleibt – die dann wieder in einer Restdeviationstabelle festgehalten wird. Eine Tabelle allein „repariert“ einen stark gestörten Kompass nicht: Große Ablenkungen machen die Rose träge oder übernervös und die Werte unzuverlässig.

Wie funktioniert das?

  • Permanenter Schiffsmagnetismus („hartes Eisen“: Motor, Kiel, festes Stahlzubehör) wird durch kleine Korrektormagnete im Kompassfuß bzw. der Kompensiereinrichtung ausgeglichen (Längs- und Quermagnete, ggf. ein Krängungsmagnet).
  • Induzierter Magnetismus („weiches Eisen“, vor allem auf Stahlschiffen) wird mit Weicheisenkugeln neben dem Kompass und der Flinderstange kompensiert – auf GFK-Yachten spielt das meist eine untergeordnete Rolle.
  • Nach der Justierung wird das Schiff erneut auf Referenzkurse geschwungen und die Restdeviationstabelle erstellt.

Wer macht das?

  • Ein Kompassjustierer / Fachbetrieb mit geeichten Referenzverfahren (Deckpeilungen, Sonnenazimut, Referenzkompass).
  • Bei gewerblich genutzten Schiffen (z. B. Charteryachten) ist eine einwandfreie Kompassanlage Teil der technischen Ausrüstungs- und Prüfvorschriften – maßgeblich sind die jeweils aktuellen Bestimmungen des Flaggen- bzw. Küstenstaates.
  • Sinnvolle Anlässe: Neueinbau des Kompasses, große Refits, neue Elektrik/Elektronik in Kompassnähe, auffällige oder große Deviationswerte.

Was Sie als Crew/Eigner selbst tun können (und sollen)

  • Das Umfeld des Kompasses konsequent „magnetisch sauber“ halten: keine Handys, Lautsprecher, Taschenlampen, Multitools, Dosen oder Schlüsselbunde in Kompassnähe ablegen.
  • Feste Plätze für Elektronik und Kabel – und nach jeder Änderung die Deviation neu prüfen.
  • Regelmäßig die eigene Deviationstabelle kontrollieren (Deckpeilungen bieten sich bei jedem Hafenmanöver fast nebenbei an).
  • Auffälligkeiten dokumentieren und dem Fachbetrieb mitteilen.
⚠ Bitte niemals selbst „nachjustieren“! Das Verstellen der Korrektormagnete ohne Fachkenntnis und Referenzverfahren kann die Deviation unkontrollierbar machen – der Kompass zeigt dann auf allen Kursen scheinbar plausibel, aber falsch. Die Kompensation gehört ausschließlich in die Hände von Fachleuten. Bis dahin gilt: Störquellen entfernen, Deviation messen, Tabelle führen.

Alle Berechnungen erfolgen ausschließlich lokal in Ihrem Browser – ohne Cookies, ohne Tracking, ohne externe Ressourcen.
Angaben ohne Gewähr · Ausbildungs- und Übungszwecke · Kompass-Kompensation nur durch Fachbetriebe.
© Sailornet Austria sailornet.at · Deviationstabelle erstellen


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